eBooks an der Uni – Fluch und Segen

WissensWert Blog Carnival Die scheinbare Evolution von gedruckten Büchern hin zu elektronischen Medien (eBooks) erinnert mich ein wenig an den Wandel von Musik CDs zu rein digital vorliegender Musik (z.B. MP3).

Es war eine interessante Entwicklung: Im Internet verbreiteten sich urheberrechtsverletzende Kopien von Musik CDs was zu Umsatzeinbußen bei Plattenfirmen führte. Irgendwann wurden die finanziellen Auswirkungen so groß, dass für die Musikindustrie keine andere Wahl blieb als dem Trend zu folgen und erschwingliche Musiktitel mit akzeptablen Nutzungsbedingungen (Kopierbarkeit, Abspielen auf verschiedenen Endgeräten, etc.) anzubieten.

Bei Büchern/eBooks verläuft diese Entwicklung anders, was sich aufgrund der Verschiedenheit der Medien erklären lässt.

Bücher komplett zu scannen um sie online zugänglich zu machen ist viel aufwändiger als eine Musik CD auf den PC zu übertragen. Einfacher wäre es den Kopierschutz schon bestehender eBooks zu brechen um Sie zu verbreiten. Aber offensichtlich geschieht das nicht! Jedenfalls nicht so oft, dass die Absatzzahlen von eBooks und Büchern so gefährdet wären, dass seitens der Verlage ein Umdenken hin zu preisgünstigeren und benutzerfreundlicheren eBooks erfolgen würde. Nicht selten kosten gedruckte und elektronische Bücher das gleiche, wo doch die Produktion eines eBooks eigentlich günstiger sein müsste, weil man sich diverse Produktionsschritte spart.

Tatsächlich ist auch das Lesen von elektronischen Büchern bzw. das Arbeiten damit oft ein Alptraum. Schnell und kostengünstig ein PDF Dokument aus dem Internet zu ziehen und es dann auf PC, Netbook, eBook Reader oder Tablet unterwegs bequem zu lesen ist aktuell nur eine Wunschvorstellung, bzw. nur realisierbar wenn man tief in die Geldbörse greift. Auch wenn der Anblick eines iPads in der Bahn nur noch ein müdes gähnen erzeugt: erschwinglich sind derartige Geräte für die breite Maße nicht. Erst recht nicht, wenn man die Folgekosten bedenkt; ein solches Gerät wird erst praktisch mit entsprechender mobilen Internet Flatrate und einem Sammelsurium an weiterem Zubehör, Dockingstation, Hüllen, Connection-Kits und vieles vieles vieles vieles mehr.

Auch auf der Seite der eBooks stimmen die Rahmenbedingungen noch nicht. Neben den zu hohen Preisen ist auch die sogenannte “Usability” oft ein Alptraum. Die Verlage befürchten, dass sich ihre eBooks als Raubkopie im Netz verbreiten und dementsprechend sind die Werke oft geschützt, was die mögliche Benutzbarkeit erheblich einschränkt.
Im universitären Alltag begegnen mir jedenfalls fast ausschließlich eBooks, die nur online abrufbar sind, teilweise auch nur aus dem Campusnetz. Folglich muss man um in einem eBook zu lesen fortlaufend mit dem Internet verbunden sein und sich auf dem Campus befinden, ein Lesezeichen zu setzen entfällt natürlich auch. Heruntergeladen, und damit auch offline verfügbar machen, kann man immer nur einzelne Unterkapitel oder Seiten. Viele Vorteile, die eBooks damit potenziell aus Nutzersicht haben können gehen also verloren.

Es ist ein bischen bedenklich, dass insbesondere Bibliotheken jetzt schon so stark auf diesen eBooktrend aufspringen. Natürlich gibt es offensichtliche Vorteile, eBooks bekommen keine Eselsohren, können nicht Überzogen werden und stehen gleichzeitig vielen Lesern zur verfügung, aber mittelfristig ist auf dem eBook-Markt was das Urheberrecht, Benutzbarkeit und Preise für Lizenzen angeht sicher eine Menge Bewegung zum Vorteil der Nutzer zu erwarten deswegen sollte man sich beim Umstrukturieren von herrkömlicher Bibliothek hin zu einem Rechenzentrum vielleicht noch ein wenig Zeit lassen.

Zum Schluß frage ich mich: Wenn Sie ein Buch kaufen möchten, dass in zwei Versionen, als eBook und als Taschenbuch verfügbar ist (zum gleichen Preis): Für welche Version entscheiden Sie sich? Meine Antwort dürfte klar sein.

Freitag 16. September: Ich habe diesen Artikel überarbeitet um ihn beim 20. WissensWert BlogCarnival “Haben sich Ihre Lesegewohnheiten geändert?” einreichen zu können. Hier eine Liste der Teilnehmer.

One thought on “eBooks an der Uni – Fluch und Segen

  1. Grundsätzlich bin ich ja ein großer Freund der Digitalisierung von Büchern – dank moderner e-Ink-Readern liest sich ein eBook teilweise sogar besser als ein gedrucktes Buch, man kann hunderte Bücher jederzeit mit sich herumtragen und Abnutzung ist auch kein Problem mehr.

    Andererseits ist der Buchmarkt einfach noch zu rückständig, als dass das alles wirklich Spaß machen würde – proprietäre Formate (siehe Amazon), hohe Preise, DRM und andere lästige Hürden schmälern den Lesespaß dann doch meist soweit, dass ich lieber zum guten alten Taschenbuch greife. Aber ich denke, da wird sich in den nächsten Jahren noch richtig was tun :).

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